Ist im Neubau eine Lüftungsanlage notwendig?

Die Antwort kann ich vorne weg mit einem ja und einem nein beantworten. Eine Lüftungsanlage ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber unter Umständen sinnvoll.

 

 

Zunächst möchte ich aber die Frage klären, warum überhaupt regelmäßiges Lüften in Wohnhäusern erforderlich ist:

Grund Nr. 1: Austausch von ausgeatmeten Kohlendioxid gegen neue Frischluft. Ein Mensch verbraucht je nach Tätigkeit zwischen 15 und 50 Liter Sauerstoff pro Stunde.

Grund Nr. 2: Abtransport von Wasserdampf bzw. Kondensation. Bei allen häuslichen Aktivitäten entsteht Wasserdampf. Beispielsweise entstehen in einem vier Personen Haushalt täglich zwischen 8 und 15 kg Wasserdampf. Dies entspricht ungefähr der Wassermenge eines Putzeimers. Dabei kann eine zu feuchte Raumluft (relative Raumluftfeuchte größer 65 %)  zu Kondenswasserbildung an den Bauteiloberflächen führen. Dies wiederum birgt die Gefahr von Schimmelpilzbildung.

Um für den Abtransport von Wasserdampf zu sorgen, muss ein gewisser Mindestluftwechsel sichergestellt werden. Bei neu errichteten Gebäuden wird, anders als in der Regel bei älteren Gebäuden, die Gebäudehülle luftdicht verschlossen. Dies hat den Vorteil, dass Sie sich im Vergleich zu Altbauten viel Heizenergie sparen, da die Energieverluste aufgrund von Undichtheiten in der Gebäudehülle minimiert werden. Im Gegenzug findet dafür aber nur noch ein äußerst geringer Luftaustausch zwischen der Innen- und Außenseite des Gebäudes statt. Dabei ist ein gewisser Mindestluftwechsel zum Zwecke der Gesundheit aber unabdingbar.

Aus diesem Grund schreibt die DIN 1946-6 zwingend ein Lüftungskonzept vor. Im Rahmen des Lüftungskonzeptes wird geprüft, ob der Feuchteschutz des jeweiligen Gebäudes sichergestellt ist, oder ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Je nach Art des verwendeten Baustoffes (Ziegel, Holz, Kalksandstein und/oder Beton) und der Lage des Gebäudes (windschwaches oder windstarkes Gebiet) kann die Prüfung unterschiedliche Ergebnisse liefern. Wichtig ist jedoch immer, dass die Maßnahmen zur Sicherstellung des Mindestluftwechsels nutzerunabhängig sein müssen. Das bedeutet, ein manuelles Öffnen und Schließen der Fenster, zur Sicherstellung des Mindestluftwechsels, ist nicht zulässig.

Je nach Ergebnis des Lüftungskonzeptes sind unter Umständen weitere Maßnahmen wie z. B. eine Lüftungsanlage notwendig. Dabei gibt es verschiedene Lüftungssysteme, auf welche in einem nächsten Beitrag eingehen werde.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Bundesverband für Wohnungslüftung.

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